Die Anfänge

Die Gründung der ersten Euroregion in Mittelosteuropa war bedingt durch die demokratischen Veränderungen, die Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre Einzug hielten und schließlich in der Wiedervereinigung Deutschlands mündeten. Der Gedanke der Gründung der Euroregion wurde vom damaligen Zittauer Landrat Heinz Eggert, dem Liberecer Oberbürgermeister Jiří Drda und dem Wojewoden von Jelenia Góra Jerzy Nalichowski aktiv umgesetzt. Den Vertretern der drei Nachbarstaaten war ihre geografische Lage im Dreiländereck bewusst und so hatten sie das gleiche Interesse, die eingefahrene Vorstellung vom rückständigen Grenzraum, der sich auf Grund seiner Lage nicht entwickelt, zu überwinden. Als Vorbild dienten die Erfahrungen der Euroregionen, die nach dem zweiten Weltkrieg in Westeuropa entstanden waren.

Schon bald bekannten sich weitere Kreise und Wojewodschaften zur grenzübergreifenden Zusammenarbeit. Sie nahmen die Arbeit in bilateralen und trilateralen Arbeitsgruppen auf, die sich u. a. mit den folgenden gemeinsamen Themen beschäftigten: Umweltschutz, Verkehr und Tourismus, Zusammenarbeit der Hochschulen, kulturelle und parlamentarische Zusammenarbeit und viele weitere. 

Als ersten offiziellen Schritt unterzeichneten die Vertreter aller drei Seiten am 15. Mai 1991 die gemeinsame Deklaration über die Zusammenarbeit – die grenzübergreifende Partnerschaft. 

Noch im gleichen Jahr – am 23. Mai – fand in Zittau die „Gründungskonferenz Dreiländereck“ statt. Die Schirmherrschaft über diese Konferenz übernahmen die damaligen Präsidenten der einzelnen Staaten Richard v. Weizsäcker, Václav Havel und Lech Wałęsa. Die Teilnehmer der Konferenz billigten die vorläufige Vereinbarung über die Schaffung einer trilateralen Euroregion im Gebiet des Dreiländerecks. (Interessant ist zu erwähnen, dass der Name für dieses Subjekt ursprünglich „Euroregion Dreiländereck“ lauten sollte. Später verwarf man diesen jedoch im Hinblick auf eine größere Transparenz und Identifizierung in Bezug auf das Gebiet) Ein historisch wichtiger Moment dieser Konferenz war die Postulierung des MEMORANDUMs, in dem die weitere Entwicklungsrichtung skizziert wurde. 

Im Juni 1991 traf sich die Arbeitsgruppe, die ein dreiseitiges Dokument zur Schaffung eines gemeinsamen Sekretariats erarbeiten sollte. Ausgehend von den Erfahrungen in den westeuropäischen Grenzregionen wurde auch ein Strukturmodell erarbeitet, das bis heute die Arbeitsgrundlage der Euroregion Neisse-Nisa-Nysa bildet.

Die konstituierende Sitzung des Dreiseitigen Rates, auf der die Gründung der Euroregion Neisse-Nisa-Nysa offiziell genehmigt wurde, fand im Dezember 1991 in Zittau statt. 

Im Laufe des Jahres 1992 genehmigte der Rat der Euroregion Neisse-Nysa-Nisa den Entwurf des Aktionsprogramms und das Logo und nahm den Beschluss über die Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft Europäischer Grenzregionen (AGEG) an.

 

ÜBERBLICK
 

Die Euroregion Neisse-Nisa-Nysa ist eine Euroregion, die sich im Herzen Europas in einem Gebiet befindet, in dem die Staatsgrenzen von Deutschland, Tschechien und Polen aufeinandertreffen. Ihren Namen erhielt sie nach dem Fluss Lausitzer Neiße, der unweit von Jablonec nad Nisou entspringt, durch Liberec fließt und dann weiter ab Zittau die Staatsgrenze zwischen Deutschland und Polen bildet. Unweit der Städte Zittau und Hrádek nad Nisou befindet sich an der Neiße der sog. Dreiländerpunkt, an dem die Grenzen Deutschlands, Tschechiens und Polens aufeinandertreffen. Die Natur in der Euroregion Neisse ist sehr vielfältig: Tiefland im Norden, Bergland im Süden. Der höchste Punkt befindet sich im Riesengebirge mit der Schneekoppe (1602 m) als höchstem Berg. Die Grenze zwischen Tschechien und Polen verläuft direkt auf dem Hauptkamm, hier entspringen auch zahlreiche Flüsse, wie die Elbe.

Die Euroregion Neisse-Nisa-Nysa wurde als Vereinigung dreier Rechtspersonen gebildet: Kommunalgemeinschaft Euroregion Neisse, Sektion BR Deutschland e.V., Euroregion Nisa – zájmové sdružení právnických osob (Euroregion Nisa – Interessenvereinigung juristischer Personen) sowie Stowarzyszenie Gmin Polskich Euroregionu Nysa, (Gemeinschaft polnischer Gemeinden der Euroregion Nysa).

Die individuelle Mitgliedschaft von Gemeinden und Kreisen war und ist interne Angelegenheit des Vereins jeder nationalen Seite, und jegliche Änderungen in der Mitgliedschaft in den einzelnen Teilen der Euroregion erfordern keine Zustimmung der Partner. 

Die Regeln, Ziele und Formen der gegenseitigen Zusammenarbeit der drei Partner innerhalb der Euroregion sind in der sog. Rahmenvereinbarung über die Zusammenarbeit enthalten. 

Die wichtigsten Tätigkeitsfelder der Euroregion Neisse-Nisa-Nysa sind die Initiierung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit und die Koordinierung von Aktivitäten mit grenzübergreifendem Charakter in der Dreiländerregion. Die Euroregion unterstützt vor allem Maßnahmen, die für die Annäherung, das Kennenlernen, die Zusammenarbeit und die Partnerschaft der Bürger und weiterer Stellen Bedeutung haben.